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Gruppe tag

 

Dass das Theater mehr ist als das Trickspiel der Priester zur Erregung religöser Gefühle, wusste schon Aristoteles. Sein Bild von der Bühne als einer Bildungsstätte weiser Ideale und kluger Handlungen prägte die Antike. Doch wie bei einer Überbelichtung: So schnell wie es auftauchte, so schnell verschwand das antike Theater auch wieder. Erst nach Jahrhunderten des Vergessenes bekam es eine zweite Chance. Aus den wenigen Überlieferungen trägen Belehrungsritualen frommer Christen und spöttischen Belustigungsstücken fahrender Artistengruppen bezog das aufstrebende Bürgertum die praktischen Grundlagen für ein erneuertes, modernes Theater. Aber auch diese klassische Blüte war nur von kurzer Dauer. Die Bühne als moralische Zeigefingeranstalt hatte schon früh ihre Attraktion verloren. Dieser Bedeutungsverlust wurde erst durch den Bildungshunger und das neue Selbstbewusstsein der arbeitenden Massen, durch die Bedürfnisse der sozialen Bewegungen wieder aufgehoben. Diese Revolutionierung des Theaters zu Beginn des letzten Jahrhunderts war aber nicht nur eine technische Entwicklung, sondern vor allen Dingen eine soziale. Durch die Problematisierung der Produktion, der Arbeitsweise, durch die allerorts gestellte Frage der Mitbestimmung, rückten die vielfältigen Verhältnisse zwischen Publikum und Bühne, zwischen den Menschen, die da miteinander und füreinander spielen, stärker Ins Zentrum und damit auch deren Interessen.

Das Theater von heute ist deshalb eine soziale Veranstaltung geworden, ob nun als Bühne falscher Eitelkeiten, großer Gesten oder effektvoller Rhetorik. ob nun als Schauplatz innerlicher Vorgänge, detailverliebter Haltungen oder menschlichen Handelns, ob als mühselige Zeitverschwendung und lahme Ablenkung oder als heiterer Abend und spannende Probe. Es begegne, betreffen, berühren sich diejenigen, die das Theater anzieht und damit einen Ort der gegenseitigen und freien Bildung in die Hände gibt. An uns liegt es, ihn auch zu nutzen.

Das offene Ensemble der gruppe tag engagiert sich seit 2005 für ein soziokulturelles Theater jenseits von  moralischer Anstalt. Aus ersten Improvisationen  entwickelte sich bald eine feste Gruppe um die Regisseure & Theatermacher Matthias Sterba und Daniel Schmidt bzw. den Dramaturgen Daniel Schade, die 2006 unter dem Namen Oblomovs Erben mit dem Stück Vorwärts aber und Rückwärts wollen wir erstmalig für Aufmerksamkeit in der Leipziger Off-Szene sorgte.

Seither wird Kontinuität in der langjährigen Theaterarbeit des Kollektivs durch den Anspruch auf ein modernes politisches Theater und die hohe individuelle Bereitschaft des gesamten Ensembles gewährleistet. Die Texte, Inszenierungen, Ausstattung und Bühnenbilder werden jeweils aus der Gruppe selbst heraus entwickelt. Das hohe Engagement der TeilnehmerInnen in den letzten sechs Jahren ermöglichte die Entwicklung von vier Stücken und deren Uraufführungen in Leipzig.

Die gruppe tag verfolgt kein kommerzielles Interesse und unterstützt  andere Kulturprojekte im Rahmen von Solidaritätsveranstaltungen.

 Trotz Aller Gegenwart

 

 

Fotos: Robert Raithel

Webdesign: Robert Gitter

Techniker : Thomas Grahl  und Maik Dankert




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